Ich bin wieder heil in Hamburg gelandet.
Zehn Grad kälter als NYC, aber trotzdem sonnig und mit Herbstlaub- immerhin.
Nun liegen 10 Stunden Zugfahrt von Pittsburgh nach New York hinter mir. Ein Kurztrip bei Macy's (Mega-Kaufhaus à la Harrod's) und ein gutes Essen mit Alexander (meinem New Yorker Opern- und Improtheater- Kumpan) war noch drin. Nach 7 Stunden Flug bin ich wieder in Hamburg gelandet.
Ganz wehmütig denke ich an die tolle Zeit und wünschte, ich hätte nicht ab morgen früh drei Tage Fortbildung.
Wiebke und Clara haben mich vom Flughafen abgeholt. Das ist toll.
Sunday, November 4, 2007
Am Track
Zugfahren in den USA macht Spaß. Man stellt sich auf dem Gleis in einer Reihe auf, wird dann von einem verschmitzt dreinblickenden Amtrak- Mitarbeiter hineingelotst. Der Schaffner knipst ganz altmodisch die Tickets ab und schreibt per Hand (!) die Haltestelle auf eine Platzkarte über dem Sitz.
Kommt eine Sehenswürdigkeit in Sichtweite, stellt er sich in den Türrahmen und ruft ohne Mikro durch den ganzen Waggon, welche Brücke gleich zu sehen sein wird und wer sie wie lange vor wie vielen Jahren erbaut hat. Die MitarbeiterInnen des Snack Car (Speisewagen) bekommen eine richtige Mittagspause.
Da es keine Hochgeschwindigkeitszüge gibt, kommt die Seele beim Reisen spielend mit. Die 400 Meilen (knapp 700 km) von Pittsburgh nach NYC dauern dann auch fast 10 Stunden. Chips essende übergewichtige schwarze Jugendliche mit iBook, iPod und iPhone sitzen neben Amish People in Spitzenhaube und Strohhut - in perfect harmony.
Kommt eine Sehenswürdigkeit in Sichtweite, stellt er sich in den Türrahmen und ruft ohne Mikro durch den ganzen Waggon, welche Brücke gleich zu sehen sein wird und wer sie wie lange vor wie vielen Jahren erbaut hat. Die MitarbeiterInnen des Snack Car (Speisewagen) bekommen eine richtige Mittagspause.
Da es keine Hochgeschwindigkeitszüge gibt, kommt die Seele beim Reisen spielend mit. Die 400 Meilen (knapp 700 km) von Pittsburgh nach NYC dauern dann auch fast 10 Stunden. Chips essende übergewichtige schwarze Jugendliche mit iBook, iPod und iPhone sitzen neben Amish People in Spitzenhaube und Strohhut - in perfect harmony.
Friday, November 2, 2007
Einmal "Sühner" - immer "Sühner"
So wie ich vor 9 Jahren (schluck!) nach Belgien ausgereist bin, um meinen Freiwilligendienst mit ASF (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.) zu absolvieren, ist Florian aus Niedersachsen in Pittsburgh. Sein Vorgänger aus meiner Generation ist Markus. Und auf seinen Tipp hin habe ich mit Tim, Polly und Imran das Holocaust Center in Pittsburgh besucht. Seine Kollegin Samantha Patty hat sich sehr gefreut, und alle schwärmen noch heute von Markus und seinem Engagement. Ich verfalle in leichte Nostalgie und bin so dankbar für die ASF- Zeit, die Netzwerke aus der Zeit und die Gewissheit, dass die Generationen nachrücken. Mein Gott, ich werde alt.
Die Chefin erzählt uns gleich vom Programm der nächsten Wochen. Imran, der als Inder in Saudi- Arabien aufgewachsen ist, ist gespannt, was bei der Lesung zu Antisemitismus in Saudi-Arabien so zu hören sein wird. Zur Krönung schauen wir uns abends einen Film über Terrorismus in Saudi-Arabien. Nahost- Beschäftigung in USA. Es bleibt spannend.
Die Chefin erzählt uns gleich vom Programm der nächsten Wochen. Imran, der als Inder in Saudi- Arabien aufgewachsen ist, ist gespannt, was bei der Lesung zu Antisemitismus in Saudi-Arabien so zu hören sein wird. Zur Krönung schauen wir uns abends einen Film über Terrorismus in Saudi-Arabien. Nahost- Beschäftigung in USA. Es bleibt spannend.
Wednesday, October 31, 2007
"What have you"
Ich sitze in einem steril heruntergekühlten schicken Hörsaal, in dunklem Braun und blau gehalten, umringt von angehenden ManagerInnen aus aller Welt. Der Internetzugang für den Computer ist wireless, an jedem Platz.
Folke Kafka erklärt den künftigen Business-Leuten um mich herum, wie sie ihre Produktionskosten von Ledertaschen kontrollieren müssen, wenn das Kaufhaus Macy`s sie gewinnbringend weiterverkaufen soll. Zwischendurch sagt er aus unerfindlichen Gründen "What have you.." und sinniert in seinem jiddischen Akzent darüber, dass er ja eigentlich Schauspieler werden wollte. "I do some C- Movies to compensate my low salary I get here." Er witzelt über seinen Namensvetter und dessen Bücher. Er wedelt mit übergroßen Dollarscheinen und imitiert eine alte Dame, die in die Bank geht und ihr Geld anlegen möchte.
Nichts hier ist wie während meiner sechs Unijahre in Hamburg. Alle StudentInnen des internationalen MBA Programms (Master of Business Administration) sind mit 30.000 Dollar (25.000 Euro) Studiengebühren pro Jahr dabei. Sie haben Trinkflaschen, Laptoptaschen und allerlei anderen Schnickschnack im Corporate Design der Business School bekommen. Und sie werden darauf getrimmt, Firmen zu führen. Eine Welt für sich.
Folke Kafka erklärt den künftigen Business-Leuten um mich herum, wie sie ihre Produktionskosten von Ledertaschen kontrollieren müssen, wenn das Kaufhaus Macy`s sie gewinnbringend weiterverkaufen soll. Zwischendurch sagt er aus unerfindlichen Gründen "What have you.." und sinniert in seinem jiddischen Akzent darüber, dass er ja eigentlich Schauspieler werden wollte. "I do some C- Movies to compensate my low salary I get here." Er witzelt über seinen Namensvetter und dessen Bücher. Er wedelt mit übergroßen Dollarscheinen und imitiert eine alte Dame, die in die Bank geht und ihr Geld anlegen möchte.
Nichts hier ist wie während meiner sechs Unijahre in Hamburg. Alle StudentInnen des internationalen MBA Programms (Master of Business Administration) sind mit 30.000 Dollar (25.000 Euro) Studiengebühren pro Jahr dabei. Sie haben Trinkflaschen, Laptoptaschen und allerlei anderen Schnickschnack im Corporate Design der Business School bekommen. Und sie werden darauf getrimmt, Firmen zu führen. Eine Welt für sich.
Pittsburgh auf indisch
Tim hat in seiner Business School, die ich auch schon inspiziert habe, vor allem indische Freunde gefunden. Mit Yash (aus Bangalore) fahren wir auf den Mt Washington um uns das "Golden Triangle" anzuschauen. Das ist das Dreieck, wo zwei indianische Flüsse zum Ohio-River werden. Beeindruckend mit der ganzen Skyline dazwischen.
Und abends sind wir mit Imran (aus Bombay) und Polly (aus Delhi) unterwegs. Wir unterhalten uns viel über Indien und die USA. Ich freue mich sehr, dass Tim so nette Freunde hier hat.
Zum Beispiel weiss ich, dass das Abwassersystem in Bombay so marode ist, dass die Stadt nach nur einer Stunde Dauerregen bereits überflutet ist. Und dass die Gegend von Delhi, in der ich mit Marco vor drei Jahren gewohnt habe, eine Gegend ist, in die Polly nicht freiwillig gehen würde.
Ich teste meinen Satz auf Hindi, den mir Andreas beigebracht hat ("Mein Ohr ist nicht schmutzig.") und ernte schallendes Gelächter.
Morgen wollen wir ins Holocaust Memorial Center, um Samantha Patty zu besuchen, die frühere Chefin meines ASF- Mitfreiwilligen Markus aus Berlin.
Und abends sind wir mit Imran (aus Bombay) und Polly (aus Delhi) unterwegs. Wir unterhalten uns viel über Indien und die USA. Ich freue mich sehr, dass Tim so nette Freunde hier hat.
Zum Beispiel weiss ich, dass das Abwassersystem in Bombay so marode ist, dass die Stadt nach nur einer Stunde Dauerregen bereits überflutet ist. Und dass die Gegend von Delhi, in der ich mit Marco vor drei Jahren gewohnt habe, eine Gegend ist, in die Polly nicht freiwillig gehen würde.
Ich teste meinen Satz auf Hindi, den mir Andreas beigebracht hat ("Mein Ohr ist nicht schmutzig.") und ernte schallendes Gelächter.
Morgen wollen wir ins Holocaust Memorial Center, um Samantha Patty zu besuchen, die frühere Chefin meines ASF- Mitfreiwilligen Markus aus Berlin.
Tooo Ron Too - Toronto
Zwei Mail Niagarafälle (bei Nacht und bei Tag, von Kanada und von den USA aus betrachtet) sind schön, aber auch genug. Also fahren wir nach Toronto. Es ist eiskalt und der Wind bläst. Ansonsten ist die Stadt ein bisschen wie New York. Nur kleiner, sauberer und WINDIGER. Wir fliegen fast weg. Abends ist der Helloween- Wahnsinn in der Stadt ausgebrochen. Lauter Frankensteins, Burgfräuleins, Spinnen und Hexen in Hot Pants laufen durch die eiskalte Stadt. Wir finden aber ein tolles Konzert mit Lesung: Yvan Coyote liest Geschichten aus dem Yukon und Rae Spoon spielt Countrymusik dazu. Im Yukon gibt es nämlich Permafrost- Boden. Und je mehr Kindheitsgeschichten Yvan erzählt, desto mehr Lust bekommen wir, auch mal in den Yukon zu fahren. Und das, obwohl der Großvater immer zu sagen pflegte: 30 below is 30 below. (Minus dreißig Grad sind minus dreißig Grad.)
Am nächsten Tag schauen wir uns noch die geleckte Harbour Front (Yachthafen) an und essen in China Town wunderbare Unglaublichkeiten, zum Beispiel Klebreis in einem riesigen Blatt eingepackt.
Die Rückfahrt nach Pittsburgh ist voller Wortwitz und Horizonterweiterung in Sachen Musik. Tim hat seine gesamte CD-Sammlung dabei.
Am nächsten Tag schauen wir uns noch die geleckte Harbour Front (Yachthafen) an und essen in China Town wunderbare Unglaublichkeiten, zum Beispiel Klebreis in einem riesigen Blatt eingepackt.
Die Rückfahrt nach Pittsburgh ist voller Wortwitz und Horizonterweiterung in Sachen Musik. Tim hat seine gesamte CD-Sammlung dabei.
Niagarafälle von zwei Seiten betrachtet
27.10.07
Die Niagarafälle kann man von der amerikanischen und von der kanadischen Seite betrachten. Und naturgemäß gibt es Streit darüber, welche die bessere Seite ist. Dabei ist die Sache ganz klar. Auf der amerikanischen Seite steht man neben den Wasserfällen und schaut ihnen von oben beim Fallen zu. Von der kanadischen Seite sieht man die Fälle in voller Bandbreite von gegenüber. Es gibt auch Bootchen namens "Maid of Mist" (Tim fände "Made of Steel" besser) , auf denen am Fuße der Wasserfälle umherschippern kann. Theoretisch. Die Boote fahren allerdings nur bis 24.10. Wir sind wenige Tage zu spät dran.
Aber bei Nacht werden die Wasserfälle bunt angestrahlt. Das hat schon was. Mystisches, Disneymäßiges. Erstaunlich wenig kommerziell ist die amerikanische Seite der Fälle. Das einzige (!) Hostel am Ort ist ein winziges, schrulliges Hostel der YHA (internat. Jugendherbergswerk), das von einer alten Asiatin betrieben wird. Alles wirkt wie vor 30 Jahren so angebracht, hingestellt und mit erstaunlich wenig Geschmack eingerichtet. Ein Webteppich mit John F. Kennedy, dem Weißen Haus UND dem Capitol (mehr Patriotismus pro Quadratzentimeter) hängt zwischen Kabelgewirr und Plastikblumen. Neben Reiseführern von 1990 stehen vergilbte Benimmregeln aus den Sechzigern. Bring your own bedding. 25 Cents Strafe, wenn man keinen Schlafsack dabei hat. Und um Punkt 10 wird das Licht ausgemacht. Also krieche ich schleunigst ins Mädchenzimmer und Tim in den Boys - Schlafsaal.
Da die Amerikaner kein Glückspiel betreiben dürfen (außer in den Indianerreservaten) strömen US-Daddler mit weißen Limousinen zu Spielhöllen in Kanda. Die Kulisse gegenüber der Wasserfälle ist dann auch wie Las Vegas anzuschauen. Ein Casino überragt und - blinkt das nächste. Aber der Ausblick auf die Wasserfälle ist tatsächlich phänomenal. Ebenso phänomenal, was Menschen im Gift Shop für bahnbrechende Hässlichkeiten zu zahlen bereit sind. Wir lassen die Niagara Fälle in der Schneekugel lieber stehen und fahren nach Toronto.
Die Niagarafälle kann man von der amerikanischen und von der kanadischen Seite betrachten. Und naturgemäß gibt es Streit darüber, welche die bessere Seite ist. Dabei ist die Sache ganz klar. Auf der amerikanischen Seite steht man neben den Wasserfällen und schaut ihnen von oben beim Fallen zu. Von der kanadischen Seite sieht man die Fälle in voller Bandbreite von gegenüber. Es gibt auch Bootchen namens "Maid of Mist" (Tim fände "Made of Steel" besser) , auf denen am Fuße der Wasserfälle umherschippern kann. Theoretisch. Die Boote fahren allerdings nur bis 24.10. Wir sind wenige Tage zu spät dran.
Aber bei Nacht werden die Wasserfälle bunt angestrahlt. Das hat schon was. Mystisches, Disneymäßiges. Erstaunlich wenig kommerziell ist die amerikanische Seite der Fälle. Das einzige (!) Hostel am Ort ist ein winziges, schrulliges Hostel der YHA (internat. Jugendherbergswerk), das von einer alten Asiatin betrieben wird. Alles wirkt wie vor 30 Jahren so angebracht, hingestellt und mit erstaunlich wenig Geschmack eingerichtet. Ein Webteppich mit John F. Kennedy, dem Weißen Haus UND dem Capitol (mehr Patriotismus pro Quadratzentimeter) hängt zwischen Kabelgewirr und Plastikblumen. Neben Reiseführern von 1990 stehen vergilbte Benimmregeln aus den Sechzigern. Bring your own bedding. 25 Cents Strafe, wenn man keinen Schlafsack dabei hat. Und um Punkt 10 wird das Licht ausgemacht. Also krieche ich schleunigst ins Mädchenzimmer und Tim in den Boys - Schlafsaal.
Da die Amerikaner kein Glückspiel betreiben dürfen (außer in den Indianerreservaten) strömen US-Daddler mit weißen Limousinen zu Spielhöllen in Kanda. Die Kulisse gegenüber der Wasserfälle ist dann auch wie Las Vegas anzuschauen. Ein Casino überragt und - blinkt das nächste. Aber der Ausblick auf die Wasserfälle ist tatsächlich phänomenal. Ebenso phänomenal, was Menschen im Gift Shop für bahnbrechende Hässlichkeiten zu zahlen bereit sind. Wir lassen die Niagara Fälle in der Schneekugel lieber stehen und fahren nach Toronto.
Monday, October 29, 2007
New York, New York
Das zweite Mal innerhalb eines Jahres in den USA. Hätte mir vor drei Jahren jemand prophezeit, ich würde so eine Frequenz in Sachen USA- Besuche hinbekommen, ich hätte nichts davon geglaubt. Wo doch so viele Länder viel weiter oben auf der Wunschliste stehen. Na ja, New York ist ja nicht gleich USA. Jedenfalls genieße ich es, diese tolle Stadt so schnell noch einmal zu sehen. So kurz hinter einander, dass mir noch einfällt, wo der vegetarische Dim Sum Laden in China Town ist. Nämlich in 24, Pell St. Und welcher Ausgang der roten Linien (1, 2 und 3) auf der 96sten Straße zum besten Obstmann führt. Nämlich der Ausgang SE. Mit zwei Tagen war es ein kurzes Intermezzo, aber die Premiere von Macbeth in der Met(ropolitan Opera) und ein Improtheater im Upright Cititizens Brigade Theater (UBT) waren drin. Und jede Menge Laufen, inklusive zwei Stunden Sonnenbad. Im T-Shirt. Im Central Park. Im Oktober.
Auf zu neuen Abenteuern in und um Pittsburgh bei Tim.
Auf zu neuen Abenteuern in und um Pittsburgh bei Tim.
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