Sunday, February 13, 2011

12.02. Zurück in Köln - mit Mariachimusik im Ohr


Während die Insektenstiche an meinen Händen und Knöcheln verheilen sitze ich also hier im kühlen Köln, mit Mariachi-Musik im Ohr (Vicente Fernandez - der mexikanische Schmalzsänger schlechthin) und sinne nach über diese bunten, beeindruckenden drei Wochen. Für einen Eindruck einfach mal diesen Link in den Suchbalken kopieren.
http://www.metacafe.com/watch/1280978/vicente_fernandez_estos_celos/

Und ich bin dankbar:
Danke an Reyna und Alejandro, die mir ihre Heimat nahegebracht haben und mich umsorgt und beherbergt haben. Danke an Tatjana, die den Kontakt zu Reyna hergestellt hat. Danke an meine Freundin Friedi und ihre beiden Jungs: an Meisterkoch und -fahrer Bany und Meistersänger Anton, dass ich diesen Roadtrip mit Euch machen durfte!
Und: Vielen Dank an Euch alle fürs Mitreisen im Geiste.
Wie immer freue ich mich über Eure Kommentare. Entweder hier im Blog, am Telefon, persönlich oder per Mail.

11.02. Ein letztes Mal in "De Effe"

Erstaunlich frisch steige ich nach 14 Stunden Fahrt aus dem Nachtbus, um einen letzten ganzen Tag in der Ciudad de Mexico (Mexico City, genannt D.F.) zu verbringen. Mein Gepäck beherbergt mein Hotel aus den ersten Tagen der Reise.

Noch mal gehe ich wehmütig all meine liebgewonnenen Plätze ab: das Café del Centro, die gandiose Bäckerei "Ideàl", meinen Lieblings-Tacostand, bei dem ich nun schon total professionell meine Lieblingstacos auf Spanisch bestellen kann, die Musikinstrumente-Straße, die Maskenstraße und zum Schluss fahre ich mit dem gleichen Haus- und-Hof-Taxifahrer zurück an den Flughafen. Ach, was war das für eine schöne Reise.

10.02. Mazatlan - letzter Stop mit Friedi, Bany und Anton


Meine drei lieben Gastgeber bringen mich in die größte Stadt der Westküste, wo abends mein Nachtbus abfährt, der mich zurück nach Mexico Stadt bringen soll. Es ist eine Stadt mit erstaunlich viel Tourismus, mit Märkten, einer riesigen Kathedrale und der unabdingbaren Plaza, dem Marktplatz einer jeden mexikanischen Stadt. Für Anton ist es das größte, auf der Empore der Plaza zu tanzen und zu hopsen.

Ich möchte gar nicht, dass er wegen meiner Bus-Abfahrt aufhören muss. Hilft gar nicht, dass man immer gehen soll, wenn es am schönsten ist. So geht es mir auch. Nach zwei Wochen mit den dreien auf enstem Raum im Superbus-Reisemobil setze ich mich ganz schwermütig in den Nachtbus.

09.02. Besuch mit 6 Kilo Körpergewicht - und andere Exoten

Unser Nachbar und Reptilienexperte Bob erzählt uns, dass in der Nähe meines Zelts eine Boa Constrictor ihre Höhle hat. Ich bin gar nicht so begeistert, dass ich so eine Nachbarin haben soll. Bob erzählt uns am nächsten Morgen, welch interessanten Fund unsere Nachbarin getätigt hat. eine weitere Boa (noch dazu eine ganz schön große). Sie sei ganz lieb und täte nichts.

Also probiere ich es mit Konfrontationstherapie und es klappt: die Schlange tut nichts und fühlt sich sogar gar nicht so schlimm an. Nachdem sie wieder in die Freiheit entschwunden ist bin ich erstaunlicherweise viel ruhiger als in der Nacht zuvor.

Bany hat heute mit Nachbar Helmut geangelt. Zum Abendessen gibt es selbstgefangenen Fisch - wie immer kocht Bany köstlich!
Es ist sehr beeindruckend, wie viele fremde Pflanzen - und Tierarten hier gibt. Immer wieder entdecken wir quietschgelbe oder grüne Vögel, die wir im Bestimmungsbuch nachschauen. Mein Liebling ist der rosa Löffler.
Aber auch die Fregattvögel und die Pelikane, die sich unsere Fischreste teilen, sind umwerfend.

07./08.02. Endlich: das MEER


Der Ort San Blas ist berühmt für die hohe Dichte an Sand Flies (Sandflöhen)- ziehen wir an unseren letzten Aufenthaltsort vor meiner Abreise um: Teacapan, ein Fischerdorf auf einer Landzunge an der Westküste Mexikos. Der winzige Supermercado hat ein überschaubares Sortiment: Seife, Chips, Ketchup, Chilisoße, Coca Cola und ein Huhn. Der Gemüseladen ist dafür mit allem vom Feld bestückt.

Und einen ganz besonderen Einkauf tätigen wir noch: einen riesigen Block Eis. Frisch mit der Eisenzange in unsere Kühlbox verfrachtet. So wie in ganz Mexiko ist es hier noch üblich, Fisch und Getränke an Verkaufsständen mit Eisblöcken zu kühlen. Teacapan steht in keinem Reiseführer, ist nur ein Tipp von Mitreisenden. Und es ist wirklich grandios.

Wir stehen auf einem sehr einfachen Platz ohne Strom und warmes Wasser, mit uns gibt es noch eine sehr kleine nette Reisegemeinde anderer Langzeitreisender aus Kanada, den USA und Deutschland. Es gibt die paar Wagen, eine Lagune und Palmen Palmen Palmen soweit das Auge reicht. Der Ausblick aus meinem Zelt ist grandios.

Es steht neben einer riesigen Bougainvillee, aus deren Blüten morgens die Kolibris trinken. Wir stehen direkt am Meer und die Brandung ist sogar so laut, dass ich zum Schlafen Ohropax benutze. Welch ein Luxusproblem...
Abends geht die Sonne besonders dramatisch unter.

06.02. Auf ins Land der Tomate


Wir fahren aus den Bergen Richtung Küste. Dabei wechseln wir die Klimazone (es ist hier bedeutend wärmer, so dass auch die Moskitos sich deutlich bemerkbar machen), die Zeitzone (hier ist es eine Stunde früher) und den Bundesstaat. Zwischen den Bundesstaaten werden die Autos auf ihre Ladung untersucht von einer Art Gesundheitspolizei. Man muss angeben, ob man Obst und Gemüse geladen hat. Wir erzählen brav: ein Blumenkohl, ein Kilo Tomaten... Hintergrund ist der, dass die Verbreitung von Pflanzenschädlingen eingedämmt werden soll. Trotzdem witzig.

Sinaloa ist so etwas wie der Brotkorb Mexikos. Hier werden fast sämtliche Chilis angebaut und gerade unter Hochdruck von Wanderarbeitern aus Chiapas geerntet, Tomaten und viel anderes Gemüse. Wir fahren stundenlang an Feldern vorbei. Einmal fährt vor uns ein übervoll bepackter Chili-Laster, der immer mal wieder etwas von seiner grünen Ladung verliert.

05.02. Sondereinheiten gegen Drogenbanden zwischen Guadalajara nach Tequila


Es gibt so klangvolle Ortsnamen hier. Manche sind unaussprechlich (Cuauthèmoc, Cacaxtla, Tequisquiapàn) andere sehr bekannt, zum Beispiel Tequila. Hierher kommt der gleichnamige Schnaps. Im gesamten Umland sind die blauen Agaven in ganzen Plantagen am Wegesrand zu sehen. Spitz und groß und symmetrisch angeordnet. Im Ort Tequila, einem perfekt herausgeputzten Städtchen, kann man betrunkenen Amerikanern zusehen, wie sie mit flaschenförmigen Touristenbähnchen durch die Gegend fahren. Tequilaverkostungen gibt es an allen Ecken. Tequila ist aber für uns eher nur eine Zwischenstation, denn wir wollen an die Küste.

Unterwegs sehen wir Sondereinheiten, die den Drogenbanden den Garaus machen wollen. Mich schüchtern sie auf jeden Fall schon mal ein - wie sie da bis an die Zähne bewaffnet auf ihren offenen Pick Ups stehen. Es gibt auch auf allen Fahrten immer mal wieder eine Mitilärkontrolle. Sie lassen uns aber alle durchfahren. Friedi und Bany erzählen allerdings, dass sie um Acapulco herum im Süden des Landes ununterbrochen kontrolliert wurden. Dort hat es auch die meisten Schießereien zwischen den Drogenkartellen gegeben. Ich merke, dass ich auf diesen Militärkontakt sehr gern verzichte.

04.02. Somos catòlicos - somos guadalupenos


Mexiko ist ein zu über 90% katholisches Land. Geht jemand vor der Kirche vorbei, dann nicht, ohne sich zu bekreuzigen. Selbst auf dem Markt, als ich der Marktfrau das Geld gebe schlägt sie ein Kreuz vor der Brust. Die Heilige Guadalupe ist die Schutzpatronin von Mexiko. Die Mexikaner sagen, dass sie in erster Linie Guadalupenos sind und dann erst Katholiken. Am Wegesrand, mitten in der Stadt, quasi überall gibt es Bildstöcke, Altäre, reich geschmückte Guadalupe- Statuen. Die Guadalupe sieht aus wie die Heilige Maria, ist aber umgeben von Strahlen.

Es gibt sie auf Kacheln, auf Tüchern, als kitschige Statuen im Manga-Stil, mit Glitzer, Blumen und mit Fahnen geschmückt. Sogar auf Silberringen ist sie verewigt, damit man sie immer bei sich tragen kann. Als wir ein Stündchen in einer großen Autowerkstatt verbringen bestaunt der Monteur die Guadalupe, die in "unserem" Bus hängt und verweist auf seine, die in der Werkstatt prangt. Das sei doch "unsere (die mexikanische) Heilige".
Historisch ist das ganze sehr interessant. Damit es im Zuge der Eroberung Mexikos durch die Spanier bei der Missionierung der indigenen Bevölkerung etwas leichter ging wurde die Heilige Guadalupe (auch sehr verehrt in Spanien) an die Stelle einer aztekischen Gottheit gesetzt, die ähnlich hieß. Die Guadalupe hat eine dunklere Hautfarbe und wird auch "La Morenita" genannt.

03.02. Tanzende Skelette mit imposanten Hüten

In Mexiko gibt es einen ausgeprägten Totenkult. Am Dìa de Muertes (dem Tag der Toten) versammeln sich in ganz Mexiko die Familien auf den -im übrigen sehr bunten- Friedhöfen, gedenken der Toten, feiern, essen, liefern sich Trinkgelage. Der Tod hat hier keinen Schrecken. Überall findet man Totenköpfe und Skelette als Wandgemälde. Es gibt Skelett-Souvenirs aus Holz, aus Gips aus Plastik: Skelette, die in der Schulbank sitzen, die tanzen, die vor dem Traualtar sitzen.

Eine ganze Sparte des Kunsthandwerks hat sich auf sogenannte Catrinas spezialisiert. Das sind Skelett-Figuren in schicken Kleidern und mit Hüten - meist aus Ton - die je nach Feinheit der Arbeit richtig viel kosten können. Im Dorf Capula sitzt der Meister Juan Torres. Von ihm und seinen Schülern werden die besten Catrinas gemacht und im ganzen Land verkauft. Es gibt ganze Altäre mit Totenköpfen, kitschig bunt mit Blumen. Eine ganz eigene Welt: die Welt der Toten.

Friday, February 4, 2011

01./02.02. Patzcuaro: Heldenethos und Meisterschnitzer

In Patzcuáro habe ich ihn endlich probiert: Nopales, den essbaren Kaktus. Schmeckt gedünstet wie grüne Bohnen bei Oma Mo, nur mit einem bittereren Nachgeschmack. Die nette Frau hat nicht nur die Nadeln entfernt bevor sie mich probieren lässt, sie lässt mich sogar ein Foto machen.

Ein bisschen un-mexikanisch kommt der Name Patzcuáro daher, mit seinem "tz". Wie Patzer oder so. Aber ganz im Gegenteil: Patzcuaro ist ein süßes Städtchen an einem See. Mitten auf dem See liegt die Insel Janitzio. Von weitem sichtbar thront darauf ein Monument, das mexikanische Touristen aller Orten anzieht: mit der linken Hand zum Kampf erhoben steht hier in Stein gemeißelt José María Morelos y Pavón, ein Held der Unabhängigkeitsbewegung Mexikos. Man kann bis in das Handgelenk des Helden klettern; im Inneren sind unzählige Murales (Mauergemälde)an der Wand. Wie schon so viele Orte in Mexico wird alles mit einer enormen Portion Pathos und Stolz serviert.
Patzcuáro ist ebenfalls für außergewöhnlich schöne Schnitzereien bekannt. Friedi und ich testen gleich mal einen riesigen Bilderrahmen beim Meister.

Die Bootsfahrt macht auch Spaß. Wie immer sind Mariachis an Bord, die Lieder auf Bestellung spielen. Dazu gibt es frittierte Pescalitos (kleine frittierte Fische mit Kopf und Kragen) mit Chili-Soße und Michelada (Bier mit Tomatensaft, Limette und viel Chili).

Die Stadt hat wie alle Städtchen hier eine nette Plaza. Hinzu kommt hier, dass scheinbar alle Häuser im corporate desigen gestaltet sein müssen. Ganz Patzcúaro ist in weiß und rot getüncht. Sehr hübsch.
Abends gibt es einen grandiosen Sonnenuntergang.

Wednesday, February 2, 2011

31.01. Rosario: Millionen Schmetterlinge


Heute sind wir in der Nähe von Morelia um ein einzigartiges Naturspektakel zu beobachten. Millionen von Monarchfaltern fliegen im November über 4500 Kilometer aus den USA hierher, um hier zu überwintern. Sie paaren sich hier, die Männchen sterben sofort. Die schwangeren Weibchen fliegen im März zurück in die USA, legen ihre Eier ab und sterben ebenfalls. Dan beginnt die nächste Generation mit der gleichen Reise. Wir marschieren mit einem Guia (Bergführer) auf 3200 Meter hinauf. Dort sehen wir sie erst vereinzelt, dann beim Trinken in einer Pfütze und schließlich die Massen. Millionen und Abermillionen der wunderschönen Falter. Wie sie in Trauben schlafend an Bäumen hängen, wie sie sich innerhalb von Sekunden zu sechst, siebt auf uns niederlassen.

Die Bäume sind ganz rot vor lauter Schmetterlingen. Sie flattern und legen sich auf dem Kopf hängend schlafen- ähnlich wie Fledermäuse. Das Biosphärenreservat ist das Wahrzeichen des nordwestlichen Bundesstaates Michoacan. Sie zieren jedes Nummernschild.

28.-30.01. Guanajuarto - ein buntes Puzzle am Berg

Nun geht es also richtig los: mein Roadtrip im blauen Bus mit Friedi und ihrer Familie. Innen hängt eine kultige gehäkelte Girlande aus Bolivien. Vorne steht groß Alemania drauf, mit der Wirkung, dass wir freundlicher behandelt werden als die Gringos (US-Amerikaner).

Heute ist ein kompletter Fahrtag: wieder gibt es einen ständigen Wechsel von Wüste und satten Wiesen, Bahnschienen, Polizei und Feuerwehr (sehr wichtig für Anton), Industriegebieten und unzählige künstliche Bodenwellen als Geschwindigkeitsbeschränkung. Die können ganz schön nerven, sind aber die hier übliche Garantie, dass Raser anhalten. Ganz ohne Hubbel, aber dafür auch ganz schön teuer ist die Cuota, die mautpflichtige Autobahn. Die nehmen wir auch wegen der Sicherheit meistens.
Auf dem Weg halten wir in Hidalgo, einem kleinen Ort, der für seine wunderschönen Azulejos (Fliesen) bekannt ist.

Abends landen wir in Guanajuarto. Unser Quartier beziehen wir oben am Berg, von wo wir einen Blick auf die Stadt haben, der ganz unglaublich ist. Tausende bunter Häuser kriechen förmlich den Berg hinauf. Wir hören Hunde bellen als seien sie ganz nah. Heute übernachte ich zum ersten Mal im Zelt. Trotz Schlafsack ist es bei 6 Grad gar nicht mal so warm.
Guanajuarto ist ein einziges Gewimmel aus Gässchen und bunten Häusern, es ist eine Unistadt. Die vielen Studenten merkt man der Stadt an. Wir fahren mit einer Bergbahn auf den Berg über dem eine große Statue thront. Von hier ist es absolut unvorstellbar, wie dieses Tetris-artige Stadtbild entstehen konnte. Wie auch schon die Altstadt von San Miguel de Allende ist das ganze Örtchen UNESCO-Weltkulturerbe.

Es wirkt so, als sei zwischen den Straßen kein Millimeter Platz. Dass es dann doch zwei bis drei Meter sind merken wir, als wir vom Berg wieder hinuntersteigen. Die Gäßchen sind urig, hinter jeder Ecke geht es in einer anderen knalligen Farbe weiter.

Einen Eindruck von der Religiosität der Mexikaner bekommen wir hier auf recht drastische Weise. Ein Schild an der Tür besagt "Wir sind Katholiken. Wir akzeptieren keine Werbung anderer Religionen." Schluck.

Friday, January 28, 2011

27.01. Koloniales Disneyland, aber schön...


San Miguel de Allende ist ein Musterstädtchen kolonialer Baukunst. Hier steckt viel Geld, viele Rentner aus den USA leben oder überwintern hier.Auch viele Mexikaner fahren hier mit dicken Schlitten herum. Die Straßen sind steil und überall gibt es in quietschbunten Farben angesrichene Häuser.

Tolle Kunstschmiede-Gitter, Lampen, viel Kunsthandwerk. Es wirkt fast ein bisschen zu geleckt, ein bisschen unwirklich mit so viel Reichtum in diesem Land voller Gegensäetze.
Trotzdem schön mit all den Bougainvilleen und exotischen Vögeln, die morgens zwitschern, tollen Pflanzen und sooo tollen Früchten. Noch nie so eine gute Mango gegessen.Anton, der kleine blonde blauäugige Exot wird überall gehätschelt, geknuddelt und beschenkt. Er versteht "Como te llamas?" perfekt und antwortet mit einem umwerfenden Augenaufschlag.

Thursday, January 27, 2011

26.01. Ankommen in San Miguel de Allende

Nach einem herzlichen Abschied von Reyna und ihrer Mutter geht es zum ersten Mal raus aus der Stadt. Die Vegetation wechselt jeden halben Kilometer. Von absoluter Wüste mit gigantischen Kakteen über satte grüne Wiesen wie im Alten Land, Industriegeiete mit gigantischen Werbeschildern wie in Arizona, Luxuswohngebiete aus der Retorte mit Lofts in strahlendem Weiß,Dörfchen mit bunten Häusern und wieder karge Steppe. Ich kann kaum glauben, dass das alles innerhalb von Minuten passiert.

Drei Stunden im erste-Klasse-Luxus-Bus und ich bin in San Miguel de Allende, einem kleinen wunderhuebschen Oertchen (Unesco Weltkulturerbe), wo es allerdings auch ganz schoen viele geliftete tennisspielende Amerikaner gibt.
Auf dem Campingplatz, wo ich Friedi, Bany und Anton treffe ueberwintern ganz viele Kanadier in ihrem Luxuscampingmobilen.
Der Bus der beiden (www.bus-travel-diaries.de) wird gerade repariert.

Tuesday, January 25, 2011

25.01. Museos y palacios

Reyna nimmt mich morgens im Auto mit. Auf dem Weg hoeren wir eine Radiosendung einer kritischen Journalistin, von der Reyna erzaehlt, sie sei wegen zu kritischer Berichterstattung (Vergehen durch Soldaten an Indigenas/ Sexueller Missbrauch an Kindern durch katholische Priester) beim staatlichen Fernsehen gegangen worden. Nun bewahrt sie sich ihre kritische Haltung im Hoerfunk. Ich bin sehr angetan davon, fuer eine Zeit in diesen mexianischen Alltag einzutauchen und solche Hintergrundinformationen zu bekommen.
Bis zur ersten U-Bahn-Haltestelle (der suedlichen Endstation, an der ich einsteige) sind es eine Stunde Fahrtzeit und 25 km Strecke: alles innerhalb von Mexico City. Um sieben ist es bitterkalt. Fleecejacke, Schal und Muetze sind genau richtig bei den vier Grad. Die Sandalen habe ich im Gepaeck fuer in zwei Stunden, wenn es dann 28 Grad sein werden. Diese enormen Temperaturschwankungen, die Hoehe, auf der Mexico City liegt (2500m) und der Smog schlauchen mich schon. Ich mache erstaunlich oft Pausen in Cafes und auf Parkbaenken. Wie passend, dass heute Museumstag ist.
Auf dem Zocalo findet eine Demonstration gegen die Privatisierung eines Parks in Santa Barbara statt. "El pueblo de Santa Barbara no se vende" (Die Bevölkerung von Santa Barbara lässt sich nicht verkaufen" steht sogar auf dem Hund.

Der Palacio Nacional ist mit flughafenreifen Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet. Hier sehe ich das groesste und beruehmteste von Diego Riveras Murales. Es ist wirklich beeindruckend. Die restlichen 50 Salons und Marmorsaele des Palastes finde ich dann eher ueberspringenswert.
Richtig faszinierend hingegen ist es, danach um und auf den Ruinen des Templo Mayor zu spazieren: Eine riesige Ausgrabungsstaette einer weiteren aztekischen Siedlung, aus der Zeit, als Mexico City noch Tenochtitlan hiess und von den Azteken fuer die Mitte des Universums gehalten wurde.

Die Ruinen wurden erst 1978 entdeckt. Die Conqistadores aus Spanien hatten einfach auf (und zum Teil aus) den aztekischen Bauwerken ihre eigenen Kolonialprunkbauten errichtet. Mir wird noch einmal bewusst, wie menschenverachtend und brutal der Kolonialismus uerberall auf der Welt gewesen ist.
Ich fahre einmal durch die ganze Stadt, um fuer morgen die Bus-Optionen auszukundschaften, denn morgen will ich nun endlich auf Friedi und ihre Familie treffen. Das U-Bahnfahren in Mexico-City ist voellig simpel und unkompliziert. Ich fahre immer im Frauenabteil, einer Einrichtung, die vor allem den Vorteil hat, dass man dort nur wie ein loser Blumenstrauss in der Vase und nicht wie in einer Sardinenbuechse aufbewahrt wird.
Dann ist es endlich soweit: in Coyoacan schaue ich mir ausgiebig die "Casa Azul", das blaue Haus von Frida Kahlo und Diego Rivera an. Es hat eine ganz besondere Ausstrahlung, die Ausstellung ist gut und ich bleibe da, bis es dicht gemacht wird.

Reyna und ich sind in ihrem Stadtteil Tlalpan verabredet, um dort mit ihrer Mutter in einem tollen Cafe Koestliches zu essen: Quesadillas, Tamales, Emoladas und ganz viel Guacamole. Nach meinen ersten Begeisterungsstuermen schon beim taeglichen Gang zum Taco-Stand auf der Strasse bin ich nun richtig selig.
Denn eigentlich ist das Essen auf jeder Reise doch der Star...

24.01. Jesus und Maria Gross- und Einzelhandel


Nachdem ich mir im Secretaria de Educacion Publica (einer Art Ableger des Bildungsministeriums) sage und schreibe 120 Murales (Wandmalereien) von Diego Rivera angesehen habe, lasse ich mich einfach durch die verschiedenen Gaesschen des Centro Historico treiben. Praktischerweise sind diese Strassen mit ihren Laeden thematisch sortiert. Eine Strasse voller Schuhgeschaefte, die naechste Avenida mit Glitzerkitsch aus dem chinesischen Container, und eine Strasse mit Kostuemen und Masken.
Die erstaunlichste Zufallsentdeckung aber ist eine Einkaufspassage voller "articulos religiosos". Es gibt in 30 Geschaeften alles, was das katholische Herz begehrt. Myrrhe und Weihrauch in Grosspackungen, Jesuskinder in allen Groessen und Hautfarben mit zugehoeriger Maria und nicht zu vergessen, Jesus ueberlebensgross am Kreuz, wahlweise mit blondem oder schwarzem Haar. Ich traue meinen Augen nicht.

Rund um den Zocalo (von den Azteken angelegter Platz mitten in der Stadt, woertlich "Basis") fahren Autos, der Rest des historischen Zentrums wirkt aber gerade zu verkehrsberuhigt. Wuesste ich nicht, dass in Mexico City 15 Millionen Menschen leben, wuerde ich es von hier aus betrachtet nicht glauben. Auf der Avenida Insurgentes (10spurig, groesste Strasse Lateinamerikas) sieht das schon wieder ganz anders aus... Ueberall (z.B. in der U-Bahn- Station) gibt es Buden mit dem besten, was sich aus Fett und Zucker herstellen laesst. An manchen Staenden gibt es dann gleich die Cholesterinhemmer dazu.

Wie mir Reyna und Alejandro erzaehlt haben fuehrt Mexico seit kurzem (nun vor dem USA) die weltweite Uebergewichtsstatistik an. Leider hat auch die Arbeitslosigkeit hier hohe Werte: vor der Catedral Metropolitana (einem riesigen, viele Epochen vereinenden Prunkbau) stehen Handwerker mit Schildern und ihrem gepackten Werkzeugkoffer und halten Schilder hoch wie "Gasinstallation", "Klempner", "Reparaturen aller Art", um Auftraggeber anzulocken. Ebenfalls wenige Auftraege haben die Schreiber, die an der Plaza Santo Domingo ihre Dienste an der Schreibmaschine anbieten.
Aber es gibt Tankwarte an den Tankstellen, das finde ich irgendwie gut.
Ich mache mich auf nach Coyoacan, dem Stadtteil von Frida Kahlo, um dort grauen Eichhoernchen meine viel zu vielen Koestlichkeiten aus der grandiosen Baeckerei "Pasteleria Ideal" zu vermachen.
Reyna und ihre Mutter holen mich ab und wir schauen gemeinsam mit Alejandro die imposante Unigegend an. Ein Campus so gross wie eine eigene Stadt. Mit ihren 300.000 Studenten ist sie die groesste Uni in Lateinamerika. Die zehnstoeckige Bibliothek ist komplett mit Murales bemalt. Jeder Absolvent wird hier mit einem Puma abgelichtet, dem Wahrzeichen der Uni. So heisst das Transportmittel fuer alle hier auch Pumabus - mit unzaehligen Linien. Ich bin heute und morgen eingeladen, bei Reyna und Alex zu uebernachten, was mich sehr ruehrt. Sie leben oben ueber der Stadt in einer mit grossem Tor und Sicherheitsdienst abgeriegelten "gated community". Der Blick auf die Stadt ist fantastisch.

Sunday, January 23, 2011

23.01. Die Pyramiden von Teotihuacan

Ich freue micht auf mein Blind Date. Reyna und ihr Mann Alejandro holen mich am Hotel ab, sie sind total nett. Dass meine Mitbringsel ziemlich demoliert angekommen sind scheint mich mehr zu graemen als sie. Wir fahren eine Stunde nach Teotihuacan, wo die groesste aztekische Pyramidenstadt liegt.
Auf dem Weg fahren wir an immer neuen Gebirgsfalten vorbei, auf denen dicht an dicht Haeuser kleben. Ich kann es kaum glauben, dass Mexico City 2500 Meter hoch liegt. Das ist ja so hoch, wie sonst nur kurz vor dem Gipfel bei einer Bergtour durch die Alpen. Und wir fahren sogar noch hoeher. Die Aztekenstadt ist ein riesiges Freiluftmuseum, das Herzstueck des anthropologischen Museums von Mexico Stadt.

Erst mal gibt es im traditionell mexikanischen Restaurant passenderweise eine Sopa Azteca, eine koestliche Suppe mit Kaese, Tomaten und ganz schoen viel Chili. Dazu Quesadillas, und Cafe de Colla (sehr lecker mit Zimt und Rohrzucker). Und dann stehen wir nach kurzer Laufstrecke auch schon davor. Die riesigen Pyramiden, auf denen Hunderte Menschen wie kleine bunte Ameisen herumklettern sind wirklich umwerfend.

Das Gelaende ist so gross, dass wir den ganzen Tag darauf herumlaufen, ohne irgendwo zweimal vorbei zu kommen. Auf dem camino de las Muertes (dem Weg der Toten) zur Sonnen- und zur Mondpyramide, zu wahnsinnig gut erhaltenen Fresken von Jaguar und gefiederter Schlange, die auch als Skulpturen immer wieder den Weg saeumen. Dazwischen unzaehlige Haendler, die Silberschmuck, traditionelle Floeten, Pfeile und Bogen und Masken aus Halbedelstein verkaufen. Es gibt hier mehrere Kaktussorten, die aus denen der Tequila gemacht wird, die die man sogar essen kann und solche, die in Creme verarbeitet werden. Ich sehe neben ihnen ziemlich winzig aus.

Grossfamilien machen hier ihren Sonntagsausflug. Eine Gruppe kolumbianischer Sonnenanbeter - sehr elegant ganz in weiss gekleidet - heben ihre Haende in die Hoehe um die Kraft der Sonne zu empfangen, beten und singen dazu. Nebenan im Staedtchen werden zu Ehren des heiligen Sebastian Boeller abgefeuert. Nach einem Tag voller Eindruecke einer vergangenen Welt fahren wir zurueck in die Stadt, um im Stadtteil Condesa (die Riesenalleen von Barcelona gepaart mit Hamburger Schanzenviertels-Cafes und ein bisschen Prenzlauer Berg- Yuppietum) Eis zu essen. Die beiden haben mich eingeladen, morgen bei ihnen zu uebernachten. Denn sie wollen mir noch ein rotierendes Restaurant zeigen, von wo aus man den perfekten Blick ueber die Stadt haben soll. Ich freu mich auf morgen: da kommt unter anderem endlich Frida Kahlo dran. Buenas Noches.
Nachtrag: was fuer ein doofer Anfaengerfehler, montags die Museen angucken zu wollen. Da muss schnell ein neuer Plan her...