Nachdem ich mir im Secretaria de Educacion Publica (einer Art Ableger des Bildungsministeriums) sage und schreibe 120 Murales (Wandmalereien) von Diego Rivera angesehen habe, lasse ich mich einfach durch die verschiedenen Gaesschen des Centro Historico treiben. Praktischerweise sind diese Strassen mit ihren Laeden thematisch sortiert. Eine Strasse voller Schuhgeschaefte, die naechste Avenida mit Glitzerkitsch aus dem chinesischen Container, und eine Strasse mit Kostuemen und Masken.
Die erstaunlichste Zufallsentdeckung aber ist eine Einkaufspassage voller "articulos religiosos". Es gibt in 30 Geschaeften alles, was das katholische Herz begehrt. Myrrhe und Weihrauch in Grosspackungen, Jesuskinder in allen Groessen und Hautfarben mit zugehoeriger Maria und nicht zu vergessen, Jesus ueberlebensgross am Kreuz, wahlweise mit blondem oder schwarzem Haar. Ich traue meinen Augen nicht.
Rund um den Zocalo (von den Azteken angelegter Platz mitten in der Stadt, woertlich "Basis") fahren Autos, der Rest des historischen Zentrums wirkt aber gerade zu verkehrsberuhigt. Wuesste ich nicht, dass in Mexico City 15 Millionen Menschen leben, wuerde ich es von hier aus betrachtet nicht glauben. Auf der Avenida Insurgentes (10spurig, groesste Strasse Lateinamerikas) sieht das schon wieder ganz anders aus... Ueberall (z.B. in der U-Bahn- Station) gibt es Buden mit dem besten, was sich aus Fett und Zucker herstellen laesst. An manchen Staenden gibt es dann gleich die Cholesterinhemmer dazu.
Wie mir Reyna und Alejandro erzaehlt haben fuehrt Mexico seit kurzem (nun vor dem USA) die weltweite Uebergewichtsstatistik an. Leider hat auch die Arbeitslosigkeit hier hohe Werte: vor der Catedral Metropolitana (einem riesigen, viele Epochen vereinenden Prunkbau) stehen Handwerker mit Schildern und ihrem gepackten Werkzeugkoffer und halten Schilder hoch wie "Gasinstallation", "Klempner", "Reparaturen aller Art", um Auftraggeber anzulocken. Ebenfalls wenige Auftraege haben die Schreiber, die an der Plaza Santo Domingo ihre Dienste an der Schreibmaschine anbieten.
Aber es gibt Tankwarte an den Tankstellen, das finde ich irgendwie gut.
Ich mache mich auf nach Coyoacan, dem Stadtteil von Frida Kahlo, um dort grauen Eichhoernchen meine viel zu vielen Koestlichkeiten aus der grandiosen Baeckerei "Pasteleria Ideal" zu vermachen.
Reyna und ihre Mutter holen mich ab und wir schauen gemeinsam mit Alejandro die imposante Unigegend an. Ein Campus so gross wie eine eigene Stadt. Mit ihren 300.000 Studenten ist sie die groesste Uni in Lateinamerika. Die zehnstoeckige Bibliothek ist komplett mit Murales bemalt. Jeder Absolvent wird hier mit einem Puma abgelichtet, dem Wahrzeichen der Uni. So heisst das Transportmittel fuer alle hier auch Pumabus - mit unzaehligen Linien. Ich bin heute und morgen eingeladen, bei Reyna und Alex zu uebernachten, was mich sehr ruehrt. Sie leben oben ueber der Stadt in einer mit grossem Tor und Sicherheitsdienst abgeriegelten "gated community". Der Blick auf die Stadt ist fantastisch.
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