Saturday, January 22, 2011

22.01. Eine Bootsfahrt die ist lustig


Beim Fruehstueck auf der Dachterrasse mit bei Tag noch viel tollerem Blick auf den Nationalpalast erzaehlen mir Brooke aus Australien und Judith aus Frankfurt/ Oder, dass sie eine Bootsfahrt machen wollen, eine halbe Stunde ausserhalb von Mexico City: in Xochimilco das auch "Venedig von Mexico" genannt wird und auf Nahuatl (der Sprache der Azteken) "Wo die Blumen bluehen" heisst. Es sei DAS Wochenendausflugsziel der mexikanischen Familien und der beste Ort fuer eine Fiesta. Ich beschliesse kurzerhand, mit zu kommen.
Erst mal machen uns zu dritt mit dem hier ebenfalls urlaubenden mexikanischen Fotografen Marco auf ins "Café del Centro", in dem Totenkopf-Portraits aller Art an der Wand haengen, und sehen uns die "Casa de los Azulejos" (Haus der Kacheln) an - ein sehr beeindruckendes gigantisches Haus aus dem 16. Jahrhundert mit mehreren Restaurants und tollen Mosaiken aus Fliesen und sogar einem Mauergemaelde von Clemente Orozco.

Das ganze historische Zentrum ist voller architektonischer Gegensaetze.
Spanische Kolonialbauten mit glaesernen Wolkenkratzer, Graffiti...

Vom protzigen Palacio de Bellas Artes aus fahren wir (etwa so eingezwaengt wie Sardinen) mit der U-Bahn und anschliessend im holprigen Bus nach Xochimilco. Es haben sich inzwischen noch diverse Finnen, Australierinnen und Franzoesinnen dazugesellt. Da fast alle Austauschstudenten hier in Mexico sind komme ich mir bisweilen ein bisschen vor wie bei einem Schulausflug oder Erasmus- Semester. Aber es ist wirklich sehr nett. Und vor allem koennen sie alle super Spanisch. Wir werden in ein quietschbuntes Holzboot gesetzt auf dem es sehr viel Corona-Bier gibt und von unserem Faehrmann endlose Kanaele entlanggestakt.

Um uns herum sind ausschliesslich mexikanische Familien und Party- Gesellschaften auf den Booten (trajineras) unterwegs. Jedes Boot heisst nach einer Frau: Laurita, Lupita, Carmencita, Marisol - manche sind sogar dem Geburtstagskind gewidmet, das auf dem Boot feiert. Eine Hochzeitsgesellschaft ist auch dabei. Und dazwischen fahren emsige Haendler auf ihren Booten herum, die gegrillten Mais, Liebesaepfel, kitschige Blumengestecke oder Puppen im Angebot haben. Es haengen auch Puppen an den Baeumen, ein etwas gruselig anmutender Anblick, Marco erklaert uns, dass es dabei um schwarze Magie geht. Dazwischen fahren die Mariachi in ihren Booten auf und ab: typische mexikanische Bands, die einem nach kurzer Verhandlung fuer den Preis pro Lied das gewuenschte mexikanische Volkslied zum besten geben. Mit ihren riesigen Hueten, Gitarren, Geigen, Trompeten und herzerweichendem Gesang. Am besten gefaellt mir "Mexico Lindo" (Schoenes Mexico). Der Tag geht rasend schnell vorbei und ich bin ganz beseelt von diesem Auftakt meiner Reise. Es gibt noch so viel zu sehen. Das Frida Kahlo Museum, Ausgrabungen der Azteken, Diego Rivera- Mauergemaelde, den Nationalpalast, die Nationalgalerie und und und. Morgen frueh habe ich erst mal ein Date mit Reyna, der Schwester eines Bekannten von Tatjana. Ich bin gespannt und falle selig ins Bett.

No comments: