Monday, August 16, 2010

30.07.-02.08. Nungwi: Man soll immer gehen wenns am schönsten ist...

Wir können es nicht glauben, dass nun schon die letzten Tage unserer Reise gekommen sind. Wir verbringen die letzten beiden Nächte im Flame Tree Hotel in Nungwi, wo wir sehr entspannt in Hängematten vor uns hin schaukeln.

Marco macht begeistert einen Tauchkurs und ich beschränke mich auf ein bescheidenes Andenken: zwei Kangas. Das sind die bunten Tücher, die die Frauen hier als Gewand und Kopftuch tragen. Sie heißen in Mosambik Kapulana, hier Kanga, und wahrscheinlich in jedem anderen afrikanischen Land noch mal anders. Es stehen Sprüche auf Swahili drauf wie: "Was immer auch kommen mag, ich bleibe bei dem, den ich liebe." Na, wie passend!

Dann müssen wir schon wieder abfliegen. Eine grandiose Reise geht zuende.
Danke fürs Mitlesen und - gucken. Wie immer freue ich mich über Eure Kommentare - sei es über die Kommentarfunktion oder per Mail, Telefon oder noch besser: beim nächsten Kaffeetrinken! Asante Sana!

29.07.10 Warum Sansibar auch Gewürzinsel genannt wird

Wir machen mit drei amerikanischen Medizinstudentinnen und einem dänisch-bosnischen Pärchen eine Spice - Tour mit. Es ist ein Vormittag voller Aha- Erlebnisse: dass die Wurzel der Kurkuma (Gelbwurz) die Finger sofot quietsch-orange färbt und zur Desinfektion auf Wunden gegeben werden kann finde ich erstaunlich. Dass Vanille eine Schmarotzerpflanze sind, die ihre Wirtspflanze langsam in die Knie zwingen finde ich ganz schön erschreckend, schließlich benutze ich ständig Vanille. Dass Papaya eigentlich Mamaya heißen müssten, weil nur die weiblichen Pflanzen Früchte tragen ist einer der vielen Gags unseres sehr kompetenten Spice Guides.

Sein Kollege bastelt und flechtet immer neue lustige Gegenstände für uns: eine Kette aus Kassava (Süßkartoffel-) Stängeln, Ringe und Armbänder, Schlipse und Kronen aus Palmblättern, Handtaschen und Hüte, ja sogar eine Sonnenbrille.

Frische Muskatnüsse sind umgeben von einer glutroten Netzstruktur und riechen ganz intensiv.

Ylang Ylang ist ein banal grünes Gras, das, wenn man es zwischen den Fingern reibt, einen intensiven Parfüm-Duft ausströmt.

Gewürznelken, wegen denen zu früheren Zeiten Kriege geführt wurden, werden nur von staatlichen Stellen verkauft. Sie sehen frisch wie kleine Knospen aus und müssen mehrere Tage in der sengenden Sonne getrocknet werden, bis sie so aussehen, wie wir sie kennen. Pfeffer wächst auf Bäumen und es gibt tatsächlich einen Curry- Baum, dessen Wurzel gerieben wird und Teil des Curry-Pulvers ist, das wir hier kennen. Allerdings ist Garam Masala (indisches Curry-Gewürz) eine Mischung aus 8 Gewürzen. Das Curry- Gewürz allein gibt fast keinen Geschmack. Zimtstangen sind Streifen aus getrockneter Zimtrinde, die sich erst beim Trocknen zu den uns bekannten Stangen rollt. Wir sehen Ingwerwurzeln (so frisch habe ich Ingwer noch nie gegessen), Zitronengras, eine Mimosenart, die sich unter unseren Fingern ängstlich zusammenrollt, Kokospalmen, von denen uns ein todesmmutiger Junge uns frische Kokosnüsse holt und eine Frucht, die Custard Apple oder auch Bull's heart heißt, die ich noch nie gegessen habe und die köstlich ist.

Ananas wachsen einzeln wie Büsche aus dem Boden und ihre Blüte ist wunderschön.

Tuesday, August 10, 2010

28.07.10 Umzug nach Nungwi


Wir haben uns vorgenommen, zum Schluss unserer Reise ein bisschen luxuriöser zu wohnen und ziehen noch mal um: in den Nachbarort Nungwi. Dort wohnen wir im Baobab Hotel, wo wir ganztägig aufs Köstlichste bekocht werden. Der Manager Mr Mohamed hat sich gemerkt, dass wir auf Hochzeitsreise sind und hat sich eine Überraschung ausgedacht.
Abends kommen plötzlich sämtliche Kellner und bringen uns unter lautem Singen und Rufen eine Geburtstags(!?)torte. Herrlich.

25.07.-27.07.10 Kendwa im Norden der Insel

Weil wir an der Ostküste wegen der Gezeiten immer nur ein Stündchen am Tag gut schwimmen können, ziehen wir für die letzte Woche an die Nordküste um. Weniger Seeigel, hohes Wasser den ganzen Tag, dafür ungleich mehr Tourismus. Wir trauern ein bisschen dem familiären Minihotel bei Mr Anderson hinterher. Hier oben in Kendwa gibt es Restaurants, die sogar Pizza im Angebot haben. Wir brauchen ein bisschen, um uns daran zu gewöhnen. Ständig werden wir angesprochen, ob wir nicht eine Schnorchel- oder Spice Tour machen wollen. Wir entscheiden uns für eine Schnorcheltour am 27.07. Zu 20st auf einem Dau (arabisches Segelboot, siehe frühere Einträge) schippern wir zum Mnemba - Atoll, einer Insel, die jemandem privat gehört. Das Konzept, dass man privat Inseln besitzen kann, ist mir zwar etwas fremd, aber in diesem Fall ist es für die Fauna toll: da hier nicht gefischt werden darf, ist es ein Paradies an tropischen Fischen. Wohin man auch schaut: überall gibt es quietschbunte, gelbe, blaue, große, kleine Fische und Seesterne, Korallenriffs. Absolut faszinierend. Leider haben wir keine Unterwasserkamera - NOCH nicht.

Sunday, August 8, 2010

21.-24.07.10 Michamvi - paradise on earth


Susanne und Dirk haben uns einen besonderen Strand gezeigt: Michamwi, ihr Lieblingsstrand, weil dort NICHTS ist. Und tatsächlich, es ist eine Bucht, an deren Ende es ein Luxushotel gibt, und sonst einfach nichts. Bis auf Mr. Anderson, einen Tansanier, der hier ein lokales Hotel leitet. Wir ziehen sofort ein. Es gibt zwar statt einer Dusche nur einen Wassereimer (Wasserpumpe ist defekt), aber die Herzlichkeit von Mr. Anderson ist der Wahnsinn.

Die nette Kellnerin Jane begleitet mich nach Paje, wo ich mir (aus Nostalgiegründen) wieder afrikanische Braids in die Haare machen lasse. Viele viele Zöpfe. Es ist ein einmaliges Erlebnis: die Friseurin bedeutet mir, dass ich mich auf den Boden setzen soll, sie selbst sitzt hinter mir auf einem Sofa und flechtet los. Immer wieder kommen Bekannte vorbei, flechten ein paar Zöpfe mit, gehen wieder. Es wird gegessen (es fällt immer mal ein Reiskorn neben mir auf den Boden) und sogar Jane flechtet mit. Die Frauen unterhalten sich lautstark in Swahili, während das Radio in ohrenbetäubender Lautstärke Swahili Musik spielt. Nach 3 Stunden, in denen die Zöpfe zeitweise zu fünft geflochten wurden bin ich frei und es gefällt mir richtig gut.

20.07.10 Persisches Neujahrsfest - ein Grund zum Prügeln

Makanduchi ist der zweitgrößte Ort auf Sansibar, an der Südspitze der Insel, wirkt aber eher dörflich. Typisch für den Ort ist der dunkelrote Sand, der ganz schnell all unsere Klamotten rot bepudert. Wir sind hier, weil das zweite der drei Festivals des Jahres stattfindet: Nahruz, das persische Neujahrsfest. Ich habe 2004 ja schon mal das Nahruz - Fest im Libanon miterlebt - dort war es einfach ein nettes Familienfest mit gutem Essen. Dass das persische Neujahrsfest auf Sansibar eher ein Grund für junge Männer ist, um sich zu verhauen, können wir nicht glauben, bis wir es mit eigenen Augen sehen. Mit Horst aus Lüneburg und Hamed, seinem sansibarischen Freund machen wir einen Rundgang durchs Dorf, bis uns Hamed sagt, dass wir nun unter dem Baum im Schatten warten müssen. Also warten wir, genau wie hunderte anderer Leute. Plötzlich geht es los: Mit Sprechchören joggen Gruppen von jungen Männern zum Dorfplatz, der sich innerhalb kürzester Zeit mit mehreren hundert Menschen füllt. Dazwischen gibt es auch joggende Gruppen von Frauen.

Und manche Männer haben abenteuerliche Uniformen an: Leopardenmantel und Motorradhelm oder auch Frauenkleider.

Dann gehts los. Mit Bananenblätterstielen gehen Männer aufeinander los.
Immer wieder "fliehen" die Massen rückwärts, um vor den Prüglern wegzulaufen. Dabei ist das Weglaufen eher ein Spaß. Allerdings werde ich einmal umgeworfen und niedergetrampelt. Ab dann halte mich dann doch lieber vornehm im Hintergrund.

Es wird noch ein Haus mit Feuer aus Zweigen gebaut und symbolisch ein Mensch darin geopfert. Dann ist nach eineinhalb Stunden plötzlich alles wieder vorbei.

20.07.10 Schwimmen mit Delfinen und ein RIESEN-Affenbrotbaum


Wir fahren nach Kizimkazi, an der südlichen Spitze Sansibars kann man mit Delfinen schwimmen. Wir können es gar nicht glauben, aber es stimmt tatsächlich. In Kizimkazi gibt es richtig viele Delfine - in freier Wildbahn versteht sich. Wir fahren in einem Fischerboot dorthin, springen ins Wasser und da sind sie wirklich. Sieben Delfine schwimmen richtig nah an uns vorbei und tauchen dann in die Tiefe ab. Dazwischen gibt es Schwärme von Zebrafischen, leuchtend gelben und blauen exotischen Fischen. Für den nächsten Urlaub brauchen wir eine Unterwasserkamera!

Es ist mal wieder unglaublich, wie grün und wie klar dieses Wasser ist.

Als ob das nicht genug der Superlative wäre kommen wir an einem Affenbrotbaum (Baobab) vorbei, der mehr als 200 Jahre alt ist und so groß, dass er kaum aufs Foto passt.

18.07.10 Jozani- Nationalpark: Colobus Affen, Mangroven und Regenwald

Es gibt einen Nationalpark auf Sansibar, wo die roten Colobus- Affen leben - und zwar weltweit nur dort.

Da die Insel bereits zu Kolonialzeiten völlig ihrer reichen Edelhölzer beraubt wurde, ist der letzte verbleibende Rest Regenwald mit großen Mahagonibäumen ebenfalls in diesem Nationalpark zu finden.


Ganz beeindruckend ist außerdem der Mangrovenwald, der quietschgrüne Blätter beherbergt und dessen Wurzeln in tiefschwarzen Schlamm wachsen. Ein direkter Zulauf zum Meer bedeutet: alle Mangroven wachsen mit und im Salzwasser und je nach Ebbe und Flut sind die Wurzeln im Schlamm frei zu sehen oder unter Wasser.

17.07.10 Seegrasfelder- Ernte und Palmen an Puderzucker

Bei einem stundenlangen strandspaziergang entdecken wir Seegrasfelder, die von Frauen geerntet werden. Es handelt sich um Pflöcke, zwischen denen Schnüre gespannt sind, an denen wiederum das Seegras wächst. Laut Dirk wird es vor allem nach Japan exportiert und der Anbau bringt sehr wenig Geld ein.


Der Strand ist weiß und fein wie Puderzucker und die Palmen sehr imposant.



Die Fischer zeigen uns ihren Fang, der gleich vor Ort ausgenommen und zerlegt wird.

16.07.10 Auf an die Ostküste: nach Bwejuu


Wir haben uns in Bwejuu an der südöstlichen Seite von Sansibar für ein paar Tage in einem tollen Strandbungalow, im Kilimani Kwetu ("bei uns zu Hause auf dem Hügel") eingemietet. Betreiber Clemens aus Köln und die beiden Kölner Mitgründer Susanne und Dirk nehmen uns sehr herzlich in Empfang. Wir erfahren ganz viel über Sansibar; Tansania und andere afrikanische Länder, in denen die drei schon gewesen sind und gearbeitet haben.

Wir stürzen in Bwejuu sofort ans Wasser. Leider gibt es da eine ganze Menge Seeigel, die gerne ihre Stacheln in Menschenfüßen hinterlassen, wenn man nicht aufpasst. Marco hat sofort mehrere Stacheln im Fuß, die (exotischer Kräuterküche sei Dank) sofort mit dem Saft einer unreifen Papaya behandelt, wieder aus dem Fuß herausgezaubert werden.

15.07.10 Stonetown Weltkulturerbe

Sansibar ist als Gewürzinsel bekannt. Sansibar Town ist die Hauptstadt und Stone Town die Altstadt darin.

Stonetown ist sehr beeindruckend: arabische, indische und natürlich afrikanische Einflüsse.

Und weltberühmt sind die vielen kunstvoll geschnitzten Türen.

Wir laufen stundenlang durch Stone Town, man kann sich herrlich verlaufen, in all den winzigen Gassen, die extrem verwinkelt sind und immer neue Lädchen, Friseursalons, Imbissbuden oder eine Koranschule (Madrassa) zutage fördern. So faszinierend. Am Abend haben wir noch was vor: Laura und Tapiwa haben uns zur Hochzeit eine "Sunset Cruise" geschenkt: das heißt, eine zweistündige Fahrt mit einem arabischen Segelschiff (Dau). So landen wir auf dem Schiff, auf einem erhöhten Aufbau ("Sorry, you have to go up, it's your honeymoon!" befiehlt uns der Kapitän.). Das ganze bei Sonnenuntergang mit Käse, Wein und einer Wahnsinnskulisse.

Saturday, August 7, 2010

14.07.10 Das Filmfest von Sansibar


Mit einem Schnellboot fahren wir von Daressalam nach Stonetown auf Sansibar.

Als hätten wir es geahnt: das jährliche Filmfest ZIFF findet gerade in Stonetown statt. Es sind Filmemacher aus ganz Subsaharan Africa da und abends Konzerte mit sehr populären Bands. Wir sehen den großartigen Film SOUL BOY, der im größen Slum von Nairobi spielt und unter Mithilfe von Tom Tykwer produziert wurde.

Und mitten in Stone Town gibt es einen ganz faszinierenden Nachtmarkt mit Spießen und Essen aller Art.

13.07.10 Honeymoon zu zweit: nach Tansania!


Gregor fährt uns zum Miniflughafen von Kigali (hier starten zwei Flieger am Tag) und RwandAir hat nun zwei Flugzeuge. Alles ist ganz familiär.
Wir fliegen nach Daressalam in Tansania, um dann am nächsten Tag mit dem Schiff nach Sansibar überzusetzen. Stonetown ist toll (übrigens Weltkulturerbe) und abends gibt es mal wieder einen Wahnsinnssonnenuntergang, der noch verschönert wird dadurch, dass mehrere arabische Schiffe (Daue) kreuz und quer vor der Sonne hin und herfahren.

Thursday, August 5, 2010

12.07.10 Des Völkermords gedenken

Unterwegs sehen wir eine Gruppe von Bauarbeitern in auffällig einheitlich orangefarbener Kleidung. Gregor erzählt uns, dass dies häufiger vorkommt. Es sind Gefängnisinsassen, die zu Arbeitseinsätzen das Gefängnis verlassen. Er berichtet weiter, dass andere Gefangene, die zuweilen bei ähnlichen Einsätzen zu sehen sind, anhand ihrer rosafarbenen Häftlingskleidung als Täter im Genozid zu erkennen sind.
An unserem letzten Tag in Ruanda besuchen Marco und ich das Kigali Memorial. In einer von den Briten unterstützten mulitmedialen Ausstellung wird versucht, das Grauen des Völkermordes der Hutu an den Tutsi darzustellen. Es ist erschütternd, zu lesen, welche tragende Rolle die Kolonialmächte Deutschland und Belgien dabei spielten. Die beiden Staaten hatten den Völkermord begünstigt, indem sie eine Einteilung der Ruander in die privilegierte Gruppe der Tutsi (Viehzüchter = Menschen mit mehr als 10 Stück Vieh) und Hutu (Ackerbauern = Menschen mit weniger als 10 Rindern)schufen. Hierbei kamen ähnlich menschenverachtende Methoden zum Einsatz wie im dritten Reich. Gesichter wurden vermessen, um die "Rasse" der Menschen zu bestimmen. Erschütternd ist auch zu lesen, wie die Weltgemeinschaft damals tatenlos zusah, wie Tausende von Menschen mit Macheten, Messern und andern Waffen niedergemetzelt wurde.
Zum Teil innerhalb der eigenen Familie, unter Arbeitskollegen, innerhalb von Fußballteams.

Am Ende der Ausstellung werden Bezüge hergestellt zu anderen Genoziden: zum Pol Pot - Regime in Kambodscha, zum Holocaust, dem Mord der Türken an den Armeniern, dem Völkermord an den Herero durch die Deutschen und zum Massaker von Srebrenica.

11.07.10 Auf Safari im Akagera Nationalpark


Als ob uns die Gorillas nicht schon genug gewesen wären fahren wir am nächsten Tag mit Gregor in den Akagera Nationalpark. Wieder drei Stunden, wieder über Stock und Stein- immer auf der Flucht vor den fies stechenden Horse Flies. Dort gibt es Giraffen,Gnus, Paviane, Zebras und Flußpferde.

Jetzt sind wir wirklich fast in allen Ecken Ruandas gewesen.
Man könnte auch meinen, diese Reise hätte eine Jagd nach immer noch dramatischeren Sonnenuntergängen zum Ziel.

Herrlich.

10.07.10 Die Gorillas sind los

Heute ist der große Tag. Um sieben Uhr morgens stehen wir am Treffpunkt. Insgesamt gibt es sieben Gorilla-Familien, die man im Nationalpark besuchen kann. Pro Tag und Familie sind nur 8 Besucher zugelassen, damit die Tiere genug Ruhe bekommen. Victor hat uns empfohlen, die Familie "Amahoro" zu besuchen. Das Wort bedeutet "Frieden" auf Kinyarwanda. Insgesamt gibt es sieben Gorillafamilien, die im Nationalpark besucht werden können. Zwölf weitere Familien sind für Besucher nicht zugänglich, damit sich die stark dezimierten Bestände erholen können und damit weiter Forschung über die besonderen Tiere betrieben werden kann. Während des Bürgerkriegs wurden viele Gorillas getötet und sogar gegessen. Die Dian Fossey Stiftung wacht über den artgerechten Tourismus mit Argusaugen. Das klingt alles sehr vernünftig. Die horrenden Eintrittsgelder für Ausländer gehen dann auch zu einem großen Teil an die lokale community. Zum Beispiel wurde ein Brunnen für das Dorf angelegt, damit die Anwohner zum Wasserholen nicht in das Territorium der Gorillas müssen.

Nach einem kleinen Workshop in Kartoffelanbau (Johanna hackt erfolgreich mit der Hacke ein Loch ins Kartoffelfeld, bravo) und einer Einführung in Gorillasprache ("Ich bin friedlich und habe gute Laune" ist ein tiefes Brummen) steigen wir mit unserem charmanten Guide Edward in den Dschungel auf. Eine Stunde stapfen wir durchs glitschige Geäst und Gestrüpp. Drei "Tracker" bahnen mit Macheten den Weg und verständigen Edward immer per Funk, wo wir die Gorillas aufspüren können.

Der Mindestabstand zu den Gorillas, den wir wahren müssen ist sieben Meter, sagt uns Edward. Aber plötzlich läuft ein Gorillajunges buchstäblich vor unseren Füßen vorbei, ganz ohne Sicherheitsabstand. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Der Opa Silverback liegt währenddessen ausgestreckt auf 3 Meter Länge faul auf dem Rücken und kaut auf einem Grashalm herum. Sie lassen sich von unserer Anwesenheit überhaupt nicht stören.
Auf dem Rückweg entdecken wir noch eine riesige Ziegelsteinmanufaktur. Der totale Overkill an Eindrücken für den heutigen Tag.

09.07.10 Entwicklungszusammenarbeit und Bananenbier

Heute ist reisemäßig ein Marathontag. Wir fahren zunächst mit dem Überlandbus wieder drei Stunden nach Kigali zurück. Ruanda heißt "das Land der tausend Hügel", weil es wirklich sehr sehr hügelig und grün ist. Wunderschön. Auf der Fahrt habe ich ein Gespräch mit Victor Monroy, Agraringenieur und Theologe aus Guatemala, der ein Kinderdorf am Kivu-See leitet. http://www.lesperancerwanda.org
Er erzählt mir sehr viel interessante Sachen über Ruanda und die dortige Entwicklungszusammenarbeit. Zum Beispiel, dass seit dem Völkermord zwischen Hutu und Tutsi noch immer wenig Kontakt zwischen den Bevölkerungsgruppen besteht, dass es viel Misstrauen in der Bevölkerung gibt und dass jeder von jedem weiß, zu welcher Gruppe wer gehört. Es gibt in Ruanda eine sehr restriktive Regierung. Zum Beispiel sind alle Hausbesitzer verpflichtet, eine Etage auf ihr Haus drauf zu bauen, damit alles einheitlich aussieht. Tun sie es nicht, weil sie es sich nicht leisten können, bekommt das Haus ein großes X verpasst und wird zum Abriss freigegeben. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind nicht gegeben.

Er sagt, dass das Land so hochgradig von ausländischer Hilfe abhängig ist, dass drei Viertel der Ruander sterben würden, wenn die internationale Hilfe aufhören würde. Das hat zum einen damit zu tun, dass die ganze Infrastruktur für die Ausländer (teure Häuser mit Gärtnern, Haushältern und Wachpersonal, Restaurants, Hotels) sehr viele Arbeitsplätze schafft, die wegfallen würden, zum anderen reicht die Subsistenzwirtschaft nicht aus, um die Leute vollständig zu versorgen. Nicht umsonst haben wir in Kibuje LKWs vom World Food Programme gesehen. Ich finde die Debatte um Sinn und Unsinn der Entwicklungszusammenarbeit sehr spannend. Ein interessanter Link von Bara hierzu. http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1046368/auslandsjournal-XXL-vom-19.-Mai-2010#/beitrag/video/1046368/auslandsjournal-XXL-vom-19.-Mai-2010"
Victor erzählt, dass manche gut gemeinten Projekte zum Scheitern verurteilt sind. Auf meine Frage, was denn um uns herum auf den Terrassenfeldern angebaut wird, sagt er zum Beispiel, dass der Terrassenfeldbau, den wir auf der Fahrt sehen, ein EU-gefördertes, jedoch sehr wenig nachhaltiges Projekt ist. Denn nachdem die Terrassen fertiggestellt worden sind, fehlte das Geld für die Bewirtschaftung.
Die riesigen Bananenplantagen überall dienen laut Victor hauptsächlich der lokalen Bananenbier-Brauerei. Er sagt, dass es auf dem Land ein massives Alkoholismusproblem gibt.
Im Bus sehen wir eine Frau, die offensichtlich ein großer Fan des Papstes ist. Ihr Kleid trägt sein Konterfei und Lobeshymnen über ihn auf französisch.

Zurück in Kigali fahren wir mit Gregor drei Stunden im DED-Auto in den Norden des Landes, nach Ruhengeri. Denn wir haben das Riesenglück, dass wir für morgen Karten kriegen konnten um die letzten lebenden Berggorillas (Dian Fossey, Gorillas im Nebel) besuchen können! Wir sind SEHR aufgeregt. Abends werden wir mütterlichst aufgenommen von Uwe und Systa, zwei anderen DEDlern, die uns aufs köstlichste bekochen und mit uns PRIMUS Bier trinken (die Brauerei ist die größte Industrie im ganzen Land).

08.-09.07.10 Lago di Kivu -Wahnsinn


Weil es uns am Kivu - See so gut gefällt verlängern wir doch gleich um einen Tag. Hängen den ganzen Tag an unserem privaten Steg rum. Das DED- Gästehaus in Kibuje ist wirklich eine Wucht. Zum Markt und zum abendlichen Fußball fahren wir mit Moto-Taxis. Das ist das übliche Fortbewegungsmittel hier in Ruanda: ein Moped, ein Fahrer mit zweitem Helm, der eher schlackert als schützt und VIEL Fahrtwind.
Abends sehen wir Deutschland-Spanien als einzige Ausländer inmitten von sechzig ruandischen Männern in einem lokalen "Cinesport" - einer Art Kino in Wohnzimmergröße, ein paar Holzbänke, ein Fernseher. Grandios. Leider hat die original-afrikanische Umgebung keinen positiven Einfluss auf den Ausgang des Spiel. Jetzt können wir Helgas gehäkelten Schland-Fingerring und das Deutschland-Trikot in die unterste Rucksacktasche packen. Schnüff.