Er erzählt mir sehr viel interessante Sachen über Ruanda und die dortige Entwicklungszusammenarbeit. Zum Beispiel, dass seit dem Völkermord zwischen Hutu und Tutsi noch immer wenig Kontakt zwischen den Bevölkerungsgruppen besteht, dass es viel Misstrauen in der Bevölkerung gibt und dass jeder von jedem weiß, zu welcher Gruppe wer gehört. Es gibt in Ruanda eine sehr restriktive Regierung. Zum Beispiel sind alle Hausbesitzer verpflichtet, eine Etage auf ihr Haus drauf zu bauen, damit alles einheitlich aussieht. Tun sie es nicht, weil sie es sich nicht leisten können, bekommt das Haus ein großes X verpasst und wird zum Abriss freigegeben. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind nicht gegeben.

Er sagt, dass das Land so hochgradig von ausländischer Hilfe abhängig ist, dass drei Viertel der Ruander sterben würden, wenn die internationale Hilfe aufhören würde. Das hat zum einen damit zu tun, dass die ganze Infrastruktur für die Ausländer (teure Häuser mit Gärtnern, Haushältern und Wachpersonal, Restaurants, Hotels) sehr viele Arbeitsplätze schafft, die wegfallen würden, zum anderen reicht die Subsistenzwirtschaft nicht aus, um die Leute vollständig zu versorgen. Nicht umsonst haben wir in Kibuje LKWs vom World Food Programme gesehen. Ich finde die Debatte um Sinn und Unsinn der Entwicklungszusammenarbeit sehr spannend. Ein interessanter Link von Bara hierzu. http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1046368/auslandsjournal-XXL-vom-19.-Mai-2010#/beitrag/video/1046368/auslandsjournal-XXL-vom-19.-Mai-2010"
Victor erzählt, dass manche gut gemeinten Projekte zum Scheitern verurteilt sind. Auf meine Frage, was denn um uns herum auf den Terrassenfeldern angebaut wird, sagt er zum Beispiel, dass der Terrassenfeldbau, den wir auf der Fahrt sehen, ein EU-gefördertes, jedoch sehr wenig nachhaltiges Projekt ist. Denn nachdem die Terrassen fertiggestellt worden sind, fehlte das Geld für die Bewirtschaftung.
Die riesigen Bananenplantagen überall dienen laut Victor hauptsächlich der lokalen Bananenbier-Brauerei. Er sagt, dass es auf dem Land ein massives Alkoholismusproblem gibt.
Im Bus sehen wir eine Frau, die offensichtlich ein großer Fan des Papstes ist. Ihr Kleid trägt sein Konterfei und Lobeshymnen über ihn auf französisch.

Zurück in Kigali fahren wir mit Gregor drei Stunden im DED-Auto in den Norden des Landes, nach Ruhengeri. Denn wir haben das Riesenglück, dass wir für morgen Karten kriegen konnten um die letzten lebenden Berggorillas (Dian Fossey, Gorillas im Nebel) besuchen können! Wir sind SEHR aufgeregt. Abends werden wir mütterlichst aufgenommen von Uwe und Systa, zwei anderen DEDlern, die uns aufs köstlichste bekochen und mit uns PRIMUS Bier trinken (die Brauerei ist die größte Industrie im ganzen Land).
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