Friday, January 28, 2011

27.01. Koloniales Disneyland, aber schön...


San Miguel de Allende ist ein Musterstädtchen kolonialer Baukunst. Hier steckt viel Geld, viele Rentner aus den USA leben oder überwintern hier.Auch viele Mexikaner fahren hier mit dicken Schlitten herum. Die Straßen sind steil und überall gibt es in quietschbunten Farben angesrichene Häuser.

Tolle Kunstschmiede-Gitter, Lampen, viel Kunsthandwerk. Es wirkt fast ein bisschen zu geleckt, ein bisschen unwirklich mit so viel Reichtum in diesem Land voller Gegensäetze.
Trotzdem schön mit all den Bougainvilleen und exotischen Vögeln, die morgens zwitschern, tollen Pflanzen und sooo tollen Früchten. Noch nie so eine gute Mango gegessen.Anton, der kleine blonde blauäugige Exot wird überall gehätschelt, geknuddelt und beschenkt. Er versteht "Como te llamas?" perfekt und antwortet mit einem umwerfenden Augenaufschlag.

Thursday, January 27, 2011

26.01. Ankommen in San Miguel de Allende

Nach einem herzlichen Abschied von Reyna und ihrer Mutter geht es zum ersten Mal raus aus der Stadt. Die Vegetation wechselt jeden halben Kilometer. Von absoluter Wüste mit gigantischen Kakteen über satte grüne Wiesen wie im Alten Land, Industriegeiete mit gigantischen Werbeschildern wie in Arizona, Luxuswohngebiete aus der Retorte mit Lofts in strahlendem Weiß,Dörfchen mit bunten Häusern und wieder karge Steppe. Ich kann kaum glauben, dass das alles innerhalb von Minuten passiert.

Drei Stunden im erste-Klasse-Luxus-Bus und ich bin in San Miguel de Allende, einem kleinen wunderhuebschen Oertchen (Unesco Weltkulturerbe), wo es allerdings auch ganz schoen viele geliftete tennisspielende Amerikaner gibt.
Auf dem Campingplatz, wo ich Friedi, Bany und Anton treffe ueberwintern ganz viele Kanadier in ihrem Luxuscampingmobilen.
Der Bus der beiden (www.bus-travel-diaries.de) wird gerade repariert.

Tuesday, January 25, 2011

25.01. Museos y palacios

Reyna nimmt mich morgens im Auto mit. Auf dem Weg hoeren wir eine Radiosendung einer kritischen Journalistin, von der Reyna erzaehlt, sie sei wegen zu kritischer Berichterstattung (Vergehen durch Soldaten an Indigenas/ Sexueller Missbrauch an Kindern durch katholische Priester) beim staatlichen Fernsehen gegangen worden. Nun bewahrt sie sich ihre kritische Haltung im Hoerfunk. Ich bin sehr angetan davon, fuer eine Zeit in diesen mexianischen Alltag einzutauchen und solche Hintergrundinformationen zu bekommen.
Bis zur ersten U-Bahn-Haltestelle (der suedlichen Endstation, an der ich einsteige) sind es eine Stunde Fahrtzeit und 25 km Strecke: alles innerhalb von Mexico City. Um sieben ist es bitterkalt. Fleecejacke, Schal und Muetze sind genau richtig bei den vier Grad. Die Sandalen habe ich im Gepaeck fuer in zwei Stunden, wenn es dann 28 Grad sein werden. Diese enormen Temperaturschwankungen, die Hoehe, auf der Mexico City liegt (2500m) und der Smog schlauchen mich schon. Ich mache erstaunlich oft Pausen in Cafes und auf Parkbaenken. Wie passend, dass heute Museumstag ist.
Auf dem Zocalo findet eine Demonstration gegen die Privatisierung eines Parks in Santa Barbara statt. "El pueblo de Santa Barbara no se vende" (Die Bevölkerung von Santa Barbara lässt sich nicht verkaufen" steht sogar auf dem Hund.

Der Palacio Nacional ist mit flughafenreifen Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet. Hier sehe ich das groesste und beruehmteste von Diego Riveras Murales. Es ist wirklich beeindruckend. Die restlichen 50 Salons und Marmorsaele des Palastes finde ich dann eher ueberspringenswert.
Richtig faszinierend hingegen ist es, danach um und auf den Ruinen des Templo Mayor zu spazieren: Eine riesige Ausgrabungsstaette einer weiteren aztekischen Siedlung, aus der Zeit, als Mexico City noch Tenochtitlan hiess und von den Azteken fuer die Mitte des Universums gehalten wurde.

Die Ruinen wurden erst 1978 entdeckt. Die Conqistadores aus Spanien hatten einfach auf (und zum Teil aus) den aztekischen Bauwerken ihre eigenen Kolonialprunkbauten errichtet. Mir wird noch einmal bewusst, wie menschenverachtend und brutal der Kolonialismus uerberall auf der Welt gewesen ist.
Ich fahre einmal durch die ganze Stadt, um fuer morgen die Bus-Optionen auszukundschaften, denn morgen will ich nun endlich auf Friedi und ihre Familie treffen. Das U-Bahnfahren in Mexico-City ist voellig simpel und unkompliziert. Ich fahre immer im Frauenabteil, einer Einrichtung, die vor allem den Vorteil hat, dass man dort nur wie ein loser Blumenstrauss in der Vase und nicht wie in einer Sardinenbuechse aufbewahrt wird.
Dann ist es endlich soweit: in Coyoacan schaue ich mir ausgiebig die "Casa Azul", das blaue Haus von Frida Kahlo und Diego Rivera an. Es hat eine ganz besondere Ausstrahlung, die Ausstellung ist gut und ich bleibe da, bis es dicht gemacht wird.

Reyna und ich sind in ihrem Stadtteil Tlalpan verabredet, um dort mit ihrer Mutter in einem tollen Cafe Koestliches zu essen: Quesadillas, Tamales, Emoladas und ganz viel Guacamole. Nach meinen ersten Begeisterungsstuermen schon beim taeglichen Gang zum Taco-Stand auf der Strasse bin ich nun richtig selig.
Denn eigentlich ist das Essen auf jeder Reise doch der Star...

24.01. Jesus und Maria Gross- und Einzelhandel


Nachdem ich mir im Secretaria de Educacion Publica (einer Art Ableger des Bildungsministeriums) sage und schreibe 120 Murales (Wandmalereien) von Diego Rivera angesehen habe, lasse ich mich einfach durch die verschiedenen Gaesschen des Centro Historico treiben. Praktischerweise sind diese Strassen mit ihren Laeden thematisch sortiert. Eine Strasse voller Schuhgeschaefte, die naechste Avenida mit Glitzerkitsch aus dem chinesischen Container, und eine Strasse mit Kostuemen und Masken.
Die erstaunlichste Zufallsentdeckung aber ist eine Einkaufspassage voller "articulos religiosos". Es gibt in 30 Geschaeften alles, was das katholische Herz begehrt. Myrrhe und Weihrauch in Grosspackungen, Jesuskinder in allen Groessen und Hautfarben mit zugehoeriger Maria und nicht zu vergessen, Jesus ueberlebensgross am Kreuz, wahlweise mit blondem oder schwarzem Haar. Ich traue meinen Augen nicht.

Rund um den Zocalo (von den Azteken angelegter Platz mitten in der Stadt, woertlich "Basis") fahren Autos, der Rest des historischen Zentrums wirkt aber gerade zu verkehrsberuhigt. Wuesste ich nicht, dass in Mexico City 15 Millionen Menschen leben, wuerde ich es von hier aus betrachtet nicht glauben. Auf der Avenida Insurgentes (10spurig, groesste Strasse Lateinamerikas) sieht das schon wieder ganz anders aus... Ueberall (z.B. in der U-Bahn- Station) gibt es Buden mit dem besten, was sich aus Fett und Zucker herstellen laesst. An manchen Staenden gibt es dann gleich die Cholesterinhemmer dazu.

Wie mir Reyna und Alejandro erzaehlt haben fuehrt Mexico seit kurzem (nun vor dem USA) die weltweite Uebergewichtsstatistik an. Leider hat auch die Arbeitslosigkeit hier hohe Werte: vor der Catedral Metropolitana (einem riesigen, viele Epochen vereinenden Prunkbau) stehen Handwerker mit Schildern und ihrem gepackten Werkzeugkoffer und halten Schilder hoch wie "Gasinstallation", "Klempner", "Reparaturen aller Art", um Auftraggeber anzulocken. Ebenfalls wenige Auftraege haben die Schreiber, die an der Plaza Santo Domingo ihre Dienste an der Schreibmaschine anbieten.
Aber es gibt Tankwarte an den Tankstellen, das finde ich irgendwie gut.
Ich mache mich auf nach Coyoacan, dem Stadtteil von Frida Kahlo, um dort grauen Eichhoernchen meine viel zu vielen Koestlichkeiten aus der grandiosen Baeckerei "Pasteleria Ideal" zu vermachen.
Reyna und ihre Mutter holen mich ab und wir schauen gemeinsam mit Alejandro die imposante Unigegend an. Ein Campus so gross wie eine eigene Stadt. Mit ihren 300.000 Studenten ist sie die groesste Uni in Lateinamerika. Die zehnstoeckige Bibliothek ist komplett mit Murales bemalt. Jeder Absolvent wird hier mit einem Puma abgelichtet, dem Wahrzeichen der Uni. So heisst das Transportmittel fuer alle hier auch Pumabus - mit unzaehligen Linien. Ich bin heute und morgen eingeladen, bei Reyna und Alex zu uebernachten, was mich sehr ruehrt. Sie leben oben ueber der Stadt in einer mit grossem Tor und Sicherheitsdienst abgeriegelten "gated community". Der Blick auf die Stadt ist fantastisch.

Sunday, January 23, 2011

23.01. Die Pyramiden von Teotihuacan

Ich freue micht auf mein Blind Date. Reyna und ihr Mann Alejandro holen mich am Hotel ab, sie sind total nett. Dass meine Mitbringsel ziemlich demoliert angekommen sind scheint mich mehr zu graemen als sie. Wir fahren eine Stunde nach Teotihuacan, wo die groesste aztekische Pyramidenstadt liegt.
Auf dem Weg fahren wir an immer neuen Gebirgsfalten vorbei, auf denen dicht an dicht Haeuser kleben. Ich kann es kaum glauben, dass Mexico City 2500 Meter hoch liegt. Das ist ja so hoch, wie sonst nur kurz vor dem Gipfel bei einer Bergtour durch die Alpen. Und wir fahren sogar noch hoeher. Die Aztekenstadt ist ein riesiges Freiluftmuseum, das Herzstueck des anthropologischen Museums von Mexico Stadt.

Erst mal gibt es im traditionell mexikanischen Restaurant passenderweise eine Sopa Azteca, eine koestliche Suppe mit Kaese, Tomaten und ganz schoen viel Chili. Dazu Quesadillas, und Cafe de Colla (sehr lecker mit Zimt und Rohrzucker). Und dann stehen wir nach kurzer Laufstrecke auch schon davor. Die riesigen Pyramiden, auf denen Hunderte Menschen wie kleine bunte Ameisen herumklettern sind wirklich umwerfend.

Das Gelaende ist so gross, dass wir den ganzen Tag darauf herumlaufen, ohne irgendwo zweimal vorbei zu kommen. Auf dem camino de las Muertes (dem Weg der Toten) zur Sonnen- und zur Mondpyramide, zu wahnsinnig gut erhaltenen Fresken von Jaguar und gefiederter Schlange, die auch als Skulpturen immer wieder den Weg saeumen. Dazwischen unzaehlige Haendler, die Silberschmuck, traditionelle Floeten, Pfeile und Bogen und Masken aus Halbedelstein verkaufen. Es gibt hier mehrere Kaktussorten, die aus denen der Tequila gemacht wird, die die man sogar essen kann und solche, die in Creme verarbeitet werden. Ich sehe neben ihnen ziemlich winzig aus.

Grossfamilien machen hier ihren Sonntagsausflug. Eine Gruppe kolumbianischer Sonnenanbeter - sehr elegant ganz in weiss gekleidet - heben ihre Haende in die Hoehe um die Kraft der Sonne zu empfangen, beten und singen dazu. Nebenan im Staedtchen werden zu Ehren des heiligen Sebastian Boeller abgefeuert. Nach einem Tag voller Eindruecke einer vergangenen Welt fahren wir zurueck in die Stadt, um im Stadtteil Condesa (die Riesenalleen von Barcelona gepaart mit Hamburger Schanzenviertels-Cafes und ein bisschen Prenzlauer Berg- Yuppietum) Eis zu essen. Die beiden haben mich eingeladen, morgen bei ihnen zu uebernachten. Denn sie wollen mir noch ein rotierendes Restaurant zeigen, von wo aus man den perfekten Blick ueber die Stadt haben soll. Ich freu mich auf morgen: da kommt unter anderem endlich Frida Kahlo dran. Buenas Noches.
Nachtrag: was fuer ein doofer Anfaengerfehler, montags die Museen angucken zu wollen. Da muss schnell ein neuer Plan her...

Saturday, January 22, 2011

22.01. Eine Bootsfahrt die ist lustig


Beim Fruehstueck auf der Dachterrasse mit bei Tag noch viel tollerem Blick auf den Nationalpalast erzaehlen mir Brooke aus Australien und Judith aus Frankfurt/ Oder, dass sie eine Bootsfahrt machen wollen, eine halbe Stunde ausserhalb von Mexico City: in Xochimilco das auch "Venedig von Mexico" genannt wird und auf Nahuatl (der Sprache der Azteken) "Wo die Blumen bluehen" heisst. Es sei DAS Wochenendausflugsziel der mexikanischen Familien und der beste Ort fuer eine Fiesta. Ich beschliesse kurzerhand, mit zu kommen.
Erst mal machen uns zu dritt mit dem hier ebenfalls urlaubenden mexikanischen Fotografen Marco auf ins "Café del Centro", in dem Totenkopf-Portraits aller Art an der Wand haengen, und sehen uns die "Casa de los Azulejos" (Haus der Kacheln) an - ein sehr beeindruckendes gigantisches Haus aus dem 16. Jahrhundert mit mehreren Restaurants und tollen Mosaiken aus Fliesen und sogar einem Mauergemaelde von Clemente Orozco.

Das ganze historische Zentrum ist voller architektonischer Gegensaetze.
Spanische Kolonialbauten mit glaesernen Wolkenkratzer, Graffiti...

Vom protzigen Palacio de Bellas Artes aus fahren wir (etwa so eingezwaengt wie Sardinen) mit der U-Bahn und anschliessend im holprigen Bus nach Xochimilco. Es haben sich inzwischen noch diverse Finnen, Australierinnen und Franzoesinnen dazugesellt. Da fast alle Austauschstudenten hier in Mexico sind komme ich mir bisweilen ein bisschen vor wie bei einem Schulausflug oder Erasmus- Semester. Aber es ist wirklich sehr nett. Und vor allem koennen sie alle super Spanisch. Wir werden in ein quietschbuntes Holzboot gesetzt auf dem es sehr viel Corona-Bier gibt und von unserem Faehrmann endlose Kanaele entlanggestakt.

Um uns herum sind ausschliesslich mexikanische Familien und Party- Gesellschaften auf den Booten (trajineras) unterwegs. Jedes Boot heisst nach einer Frau: Laurita, Lupita, Carmencita, Marisol - manche sind sogar dem Geburtstagskind gewidmet, das auf dem Boot feiert. Eine Hochzeitsgesellschaft ist auch dabei. Und dazwischen fahren emsige Haendler auf ihren Booten herum, die gegrillten Mais, Liebesaepfel, kitschige Blumengestecke oder Puppen im Angebot haben. Es haengen auch Puppen an den Baeumen, ein etwas gruselig anmutender Anblick, Marco erklaert uns, dass es dabei um schwarze Magie geht. Dazwischen fahren die Mariachi in ihren Booten auf und ab: typische mexikanische Bands, die einem nach kurzer Verhandlung fuer den Preis pro Lied das gewuenschte mexikanische Volkslied zum besten geben. Mit ihren riesigen Hueten, Gitarren, Geigen, Trompeten und herzerweichendem Gesang. Am besten gefaellt mir "Mexico Lindo" (Schoenes Mexico). Der Tag geht rasend schnell vorbei und ich bin ganz beseelt von diesem Auftakt meiner Reise. Es gibt noch so viel zu sehen. Das Frida Kahlo Museum, Ausgrabungen der Azteken, Diego Rivera- Mauergemaelde, den Nationalpalast, die Nationalgalerie und und und. Morgen frueh habe ich erst mal ein Date mit Reyna, der Schwester eines Bekannten von Tatjana. Ich bin gespannt und falle selig ins Bett.

21.01 Mexico Lindo

Das erste Reiseprojekt 2011: zum ersten Mal Lateinamerika! Schon fast habe ich vergessen, wie kurz die beiden Naechte vor dem Abflug waren. Noch so viel Kram fuer die Arbeit zu erledigen und dann bekam ich ploetzlich auch noch Zweifel an dem Plan, allein nach Mexico City zu fliegen. Aber geschafft. Mexico City ist der neuste Blog-Spot.

Ich bin super hier angekommen ueber Amsterdam und schon im Taxi vom Flughafen war es wieder da: mein breites Grinsen beim Anblick von Strassen- Ess-Staenden, handgemalten Werbeschildern und beim Lauschen einer fremd klingenden und in dieserm Fall doch ziemlich gut verstaendlichen Sprache: der mexikanischen Version des Spanischen. Die Spanisch-AG in der zwoelften Klasse ist ganz schoen lange her.

Ich habe mit dem Taxifahrer ueber seine erstaunlichen Schleichwege geradebrecht und ueber die Zeitverschiebung. Immerhin: geht doch. Als ich ankam gab es in meinem Hotel auf der Dachterrasse eine Party, was mich sehr gefreut hat, auch wenn ich nach 26 Stunden auf den Beinen dann doch nicht so richtig in Feierlaune war. Aber da der Internetanschluss auch hier oben an der Bar ist, habe ich zumindest die Atmosphaere aus dem Augenwinkel miterlebt.

Von hier oben hat man einen Wahnsinssblick auf den Nationalpalast. Zum Zocalo, dem riesigen Paradeplatz ist es fuenf Minuten zu Fuss. Ich bin mitten in der historischen Altstadt, alles Tolle ist zu Fuss erreichbar. Ich falle total happy ins Bett.